Mit Demenz in den eigenen vier Wänden leben
In Deutschland leben rund 1,6 Millionen Menschen mit Demenzerkrankung – Tendenz steigend. Die Diagnose stellt für Betroffene sowie Angehörige häufig einen schweren Einschnitt in den Alltag dar, da die bisher gekannte Sicherheit und Ordnung ins Wanken gerät. Folglich stellen Viele sich die Frage, ob und wie Betroffene weiterhin zuhause wohnen können. Wir haben Ihnen grundlegende Informationen zur Demenz zusammengestellt und geben Impulse, was Sie als Angehörige von alleinlebenden Erkrankten beachten können.
Warnsignale erkennen
Die alltägliche Vergesslichkeit kennen wir alle: der Schlüssel liegt nicht an der gewohnten Stelle, der vereinbarte Termin bei der Ärztin ist durchgerutscht oder der Name des neuen Kollegen liegt auf der Zunge, fällt uns aber partout nicht ein. Häuft sich die Vergesslichkeit und hält sie über einen längeren Zeitraum an – fehlt zusätzlich die Orientierung, halten Stimmungs- und Verhaltensschwankungen an oder fallen alltägliche Aufgaben schwer – können dies Warnsignale für eine beginnende Demenz sein.
Demenz entsteht meist in Zusammenhang mit einer Erkrankung des Gehirns: Dabei werden u.a. Teile der Hirnrinde geschädigt, die Durchblutung gestört oder Nervenzellen abgebaut. Betroffene leiden dann, neben einer Gedächtnisstörung, an Einschränkungen in der Sprache, ihrer Auffassungsgabe sowie im Orientierungssinn.
Nach der Diagnose Demenz wünschen sich viele Erkrankte noch so lange wie möglich ein selbstständiges Leben zu führen, idealerweise in der eigenen Häuslichkeit. Das eigene Zuhause gibt nicht nur Sicherheit und Orientierung, es hat auch einen maßgeblichen Einfluss auf die Lebenszufriedenheit. Studien zeigen, dass Betroffene, die im Privathaushalt leben, seltener an Depressionen erkranken, als Betroffene, die in stationären Einrichtungen leben (BMFSFJ 2022).
Die richtige Vorsorge
Damit Demenzerkrankte weiterhin sicher und gut versorgt allein leben, können Betroffene und Angehörige manches beachten:
Vorsorgen. In erster Linie ist es für Angehörige und Betroffene wichtig, eine abgesicherte Vorsorge zu treffen. Bei Fortschreiten der Krankheit sind Betroffene zunehmend auf Unterstützung angewiesen – insbesondere, wenn es um finanzielle oder rechtliche Fragen geht. Im Rahmen einer Vorsorgevollmacht oder Betreuungsverfügung können Betroffene entscheiden, wer ihre Geschäfte in ihrem Sinne regeln darf, sollten sie dazu nicht mehr in der Lage sein.
Gefahrenquellen kennen. Damit Betroffene im eigenen Zuhause nach wie vor sicher sind, ist es für Angehörige ratsam die Gefahrenquellen zu kennen und regelmäßig zu prüfen. Sicherheitsmaßnahmen, wie Herdabschaltvorrichtungen, Handläufe sowie das Verschließen von Reinigungsmitteln, Medikamenten und gefährlichen Elektrogeräten, können dazu beitragen, dass Unfälle vermieden wer-den. Bei der berechtigten Sorge um die Betroffenen sollten Angehörige jedoch immer im Hinterkopf behalten, dass eine absolute Sicherheit nicht möglich ist.
Selbstständigkeit erhalten. Häufig neigen Angehörige aus Sorge zu einer starken Kontrolle bzw. zu einer Behütung der Betroffenen. Dabei ist es wichtig, den Betroffenen wirklich nur jene Aufgaben abzunehmen, die sie nicht mehr allein bewältigen können. Vielmehr können ergänzende Hilfestellungen – wie das Begleiten der Aufgabe, das Beseitigen von Stolperfallen oder das Beschriften von Schranktüren – die Autonomie erhalten und Gefahrenquellen minimieren.
Netzwerk einbinden. Um so lange wie möglich allein leben zu können, benötigen Betroffene ein bekanntes und stabiles Netzwerk. Angehörige und nahe Menschen aus dem Umfeld können verlässliche und regelmäßige Unterstützung bieten. Darüber hinaus ist es für Betroffene wichtig weiterhin Beziehungen zu pflegen und sich auszutauschen.
Grenzen kennen. Bei fortgeschrittener Krankheit sind Betroffene in immer mehr Bereichen auf Hilfe angewiesen und das Risiko der Selbst- und Fremdgefährdung steigt. Dann kann der Übergang in eine stationäre Einrichtung, eine betreute Wohnform oder der Umzug zu Angehörigen nötig sein. Dieser Schritt sollte idealerweise lange und gut geplant sowie immer unter Einbezug der Betroffenen gegangen werden.
Demenz besser verstehen lernen
In dem Parcours „Hands-on Dementia“ können Sie in simulierten Alltagssituationen nachempfinden, wie Demenzerkrankte diese erleben.
Im „Demenz-Podcast“ erhalten Angehörige sowie Betroffene Tipps zur Kommunikation, Alltags- und Freizeitgestaltung sowie Partizipation. Dabei werden Themen, wie die Selbstfürsorge, Sport, aber auch Technik und Digitales aufgegriffen.
Viele Initiativen bieten Kurse – auch online – für Angehörige von Erkrankten an. Bei „Demenz Partner“ finden Sie eine Übersicht.
In der „Online-Demenzsprechstunde“ von Desideria Care e.V. beantwortet u.a. Dr. Sarah Straub Fragen rund um das Thema Demenz.
Insbesondere für Kinder kann es schwer sein, zu verstehen, warum Angehörige sich plötzlich anders verhalten. Das BFSFJ hat auf den Seiten des Wegweiser Demenz Tipps zusammengestellt, wie Demenz kindgerecht erklärt werden kann Die Alzheimer Gesellschaft Baden-Württemberg hat hierzu eine Liste mit Kinderbüchern zusammengestellt.
Quellen und weiterführende Informationen finden Sie auf der nächsten Seite, bei der Deutschen Alzheimer Gesellschaft e.V, beim Wegweiser Demenz und beim BMG.

Dieser Artikel ist in Zusammenarbeit mit awo lifebalance Weser-Ems erschienen.
Unsere Expert*innen beraten Sie vertraulich zur Erkrankung Demenz und Vorsorge.
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