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Wechseljahre – So viel mehr als Hitzewallungen

Warum die Wechseljahre uns alle angehen und warum wir im Unternehmen darüber sprechen sollten

Menopause und Wechseljahre werden häufig synonym verwendet, meinen aber nicht dasselbe. Das Klimakterium (die Wechseljahre), bezeichnet die mehrjährige Übergangsphase vor und nach der letzten Regelblutung einer Frau*. In dieser Zeit stellt sich der Körper hormonell um – trotz großer individueller Schwankungen meist zwischen dem 45. und 55. Lebensjahr. Auch bei Männern* kommt es in diesem Alter zu einem vergleichbaren Nachlassen der Hormonproduktion. Die Menopause ist hingegen ein konkret definierter Zeitpunkt in diesem gesamten Zeitraum: Die letzte Regelblutung.

Diese hormonelle Umstellung wird meist von einer Vielzahl an Symptomen begleitet. Bei Männern sinkt der Testosteronspiegel, was zu verminderter Muskelkraft und Libido führen, müde oder depressiv machen und die Konzentration beeinflussen kann. Bei Frauen wird diese hormonelle Veränderung typischerweise in vier Phasen unterteilt – die Prämenopause, die Perimenopause, die Menopause und die Postmenopause – die mit einer Vielzahl an Symptomen einhergehen. Je nach Studie werden bis zu über 100 verschiedene psychische und körperliche Anzeichen gezählt.

Körperliche Veränderungen: u.a. Hitzewallungen, Schlafprobleme, Gelenkschmerzen

Psychische Auswirkungen: u.a. Stimmungsschwankungen, Konzentrationsprobleme, Müdigkeit

Langfristige Veränderungen: u.a. Haarausfall, Gewichtszunahme, Hautveränderungen

„Das ist doch Privatsache!“ – oder eben nicht

In vielen Unternehmen steigt die Zahl von Mitarbeiter*innen in den Wechseljahren. Die Symptome, die insbesondere Frauen mittleren Alters erleben, beeinflussen ihr Wohlbefinden zum Teil massiv – und diese enden eben nicht an der Bürotür oder am Werkstor, wie folgendes Beispiel zeigt:

Du wachst morgens auf und fühlst dich erschöpft. Nicht krank oder ganz extrem müde, aber doch irgendwie angespannt. Aber darüber kannst du dir nicht weiter Gedanken machen. Der Tag startet schließlich und du musst funktionieren: Frühstück, Arbeit, Termine, Haushalt, Care-Aufgaben –  alles wird erledigt. Natürlich. Wie halt immer.

Aber doch ist da dieser diffuse Nebel im Kopf. Du sitzt bei der Arbeit und plötzlich – mitten im Satz – ist der Gedanke weg. Einfach verschwunden. „Wo war ich gerade?“ und „Was wollte ich gerade machen?“ sind Sätze, die du momentan häufiger sagst. Du reißt das Fenster auf, weil dir schon wieder so heiß ist.     

Nach der Arbeit willst du nur nach Hause. Die Idee jetzt noch etwas zu unternehmen, ist für dich nicht mal denkbar.
Und dann geht zu Hause eine Kleinigkeit schief, vielleicht ist das Brot schimmelig oder ein Glas fällt um, und du spürst, wie du plötzlich richtig wütend wirst. Du könntest weinen vor Frust. Aber kein Wunder, du bist ja völlig übermüdet. Auch heute Abend fällt es dir wieder schwer einzuschlafen, obwohl du so müde bist. Nachts wachst du dann auf und kannst nicht wieder einschlafen. Und dann fangen die Gedanken an zu kreisen… bis es am nächsten Tag so weiter geht.

Solche Situationen sind für viele Betroffene Alltag: Auf der Arbeit und Zuhause. Wenn wir Wechseljahre also als reine Privatsache abtun, übersehen wir mitunter reale Belastungen und riskieren, dass wir wichtige Bedürfnisse unserer Kolleg*innen ignorieren. Das kann Folgen für das ganze Team haben: Wer häufig Schlafprobleme hat, kann mehr Fehler machen. Auch die eigene Kreativität und die Fähigkeit Probleme zu lösen, reduziert sich, wenn wir ständig müde sind. Wer sich nicht richtig konzentrieren kann, benötigt mehr Zeit für Aufgaben oder vergisst mitunter zentrale Schritte. Wer häufig Kopf- oder Gelenkschmerzen hat und sich unwohl fühlt, muss sich auch öfter krankmelden oder arbeitet über die eigenen Belastungsgrenzen.

Fünf gute Gründe im Unternehmen über die Wechseljahre zu sprechen – und wie wir alle unterstützen können

1. Gesundheit und Leistungsfähigkeit erhalten

Für viele Frauen bringen die Wechseljahre gesundheitliche und psychische Belastungen mit sich. Durch z.B. gute Raumbelüftung, Gesundheitsangebote, Zugang zu Trinkwasser oder Rückzugsräumen werden nicht nur das Wohlbefinden der Mitarbeiter*innen gefördert, sondern auch das Risiko gesundheitlicher Probleme und damit einhergehender Arbeitsausfälle reduziert.

2. Effizienz und Qualität sichern              

Symptome der Wechseljahre können die Produktivität und Leistungsfähigkeit Einzelner stark beeinträchtigen. Unterstützende Maßnahmen, wie etwa flexible Arbeits- und Pausenzeiten, ergonomische Anpassungen des Arbeitsplatzes und verbesserte Licht- sowie Geräuschverhältnisse tragen dazu bei, dass betroffene Mitarbeiter*innen ihre Arbeit effizient und zufriedenstellend fortsetzen können.

3. Inklusion und Vielfalt fördern              

Wechseljahre betreffen vielleicht nur einen Teil der Belegschaft. Wer aber rauszoomt, stellt fest: Es geht um die Gesundheit und vor allem um die Gleichbehandlung und das Verständnis für alle Lebensphasen. Teams, die Diversität aktiv leben, in denen über Herausforderungen in den verschiedenen Lebensphasen gesprochen wird, arbeiten vertrauensvoller und kreativer. Eine offene Team- und Fehlerkultur fördert außerdem das Verständnis füreinander.

4. Motivation und Bindung erhöhen    

Wenn Mitarbeiter*innen – in egal welcher Lebensphase – sich in belastenden Situationen von ihrem Unternehmen und den Kolleg*innen ernst genommen fühlen, steigt ihre Motivation und die Loyalität. Eine an den Lebensphasen orientierte Unternehmenskultur reduziert Fehlzeiten und Fluktuation. Somit wird wertvolles Wissen im Team gehalten und Ressourcen für Recruiting und Einarbeitung gespart.

5. Arbeitgebermarke und Unternehmenskultur stärken

Letztendlich zeigen Unternehmen und Teams, wenn sie sich mit ggf. auch „unbequemen“ Themen wie den Wechseljahren auseinandersetzen, dass sie sich um ihre Mitarbeiter*innen bzw. Kolleg*innen ehrlich kümmern. Das wirkt nach innen wie nach außen: Unternehmen, die aktiv in verschiedenen Lebensphasen unterstützen, signalisieren moderne Führung und positionieren sich als Unternehmen, das auf Mitarbeiterbindung setzt.


Wechseljahre sind kein Randthema, sondern vielmehr eine von vielen Lebensphasen, in denen wir herausgefordert werden – egal ob in der Partnerschaft, am Arbeitsplatz oder mit zusätzlichen Aufgaben, wie der Pflege von Angehörigen und im Familienleben mit Kindern.


* Hinweis der Redaktion: In diesem Artikel wird ausschließlich aus Gründen der Lesbarkeit von Frauen und Männern gesprochen. Uns ist bewusst, dass Geschlechter nicht binär sind und Menschen aller Geschlechter von Wechseljahres-Symptomen betroffen sein können.

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Dieser Artikel ist in Zusammenarbeit mit awo lifebalance Weser-Ems erschienen.


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