Drei Eltern. Drei Mal Elternzeit. Drei Erfahrungen.
Wer gerade schwanger ist, oder einen Kinderwunsch hat, fragt sich vielleicht manchmal „Kind und Karriere – wie soll das gehen?“. Aus den Berichten von Kolleg*innen hört man vermeintlich die große Vereinbarkeitslüge, bei anderen scheint alles wie am Schnürchen zu laufen. Wer Kind und Karriere miteinander vereinbaren will, sollte sich frühzeitig Gedanken machen, wie das Familienleben, aber insbesondere die erste Zeit nach der Geburt gestaltet werden kann. Dabei gibt es kein Muster, das auf alle passt und viele Optionen, wie man Elternzeit untereinander aufteilen kann – auch unabhängig vom Elterngeld. Drei Erzählungen*, warum und wie Eltern die Elternzeit planen:
„Alle haben gesagt: Warum bleibst du denn als Mutter nicht zuhause?“
Elternzeit: 12 Monate und 6 Wochen Urlaub.
Yula und Finn, beide 32 Jahre. Yula ist seit zwei Jahren selbstständig und kann mit ihrem Unternehmen gerade durchstarten, als sie schwanger wird. Für Finn und sie ist sofort klar: Der Papa bleibt das erste Jahr zuhause. Finn ist angestellt und hat daher die Möglichkeit Elternzeit zu nehmen, Yula könnte sich freinehmen, aber ihr kleines Unternehmen ist seit Jahren Yulas Traum und eine längere Auszeit würde ihre investierte Zeit und Arbeit wieder stark zurückwerfen.
„Die Entscheidung war eigentlich ziemlich leicht, auch wenn ich mir das erste Jahr mit eigenem Kind vielleicht immer anders ausgemalt habe. Viele in unserem Umfeld haben die Entscheidung nicht verstanden. Ich als Mutter müsse mich doch um mein Kind kümmern, haben sie gesagt. Jetzt wo der Kleine da ist und ich sehe, wie eng die Bindung zwischen ihm und Finn ist, freue ich mich richtig, dass wir uns so entschieden haben. Ich kann viel aus dem Homeoffice arbeiten und bin auch so flexibel, dass ich Finn im ersten Jahr dennoch zuhause unterstützen kann. Und ich hab‘ echt das Gefühl, ich kann beides haben: Eine kleine Familie und mein kleines Unternehmen.“
„Ich hab‘ dann, was die Elternzeit anging, zurückgesteckt – anders ging es finanziell nicht.“
Elternzeit: 16 Monate und 6 Monate.
Sina, 35 Jahre, und Tara, 40 Jahre. Sina und Tara haben vor Kurzem ein Haus gekauft. Als sie dann schwanger werden, ist der finanzielle Rahmen der Familie so stark strapaziert, dass nur eine von beiden für längere Zeit aus dem Beruf aussteigen kann.
Tara berichtet: „Neben dem Hauskredit zahlen wir auch beide noch unsere BaföG- chulden ab. Uns war klar, als wir uns für das Haus entschieden haben, dass es finanziell eng wird, wenn einer von uns aus dem Job aussteigen muss. Das hat aber eben auch bedeutet, dass Sina 12 Monate Elternzeit genommen hat. Wir haben das wirklich ganz nüchtern nach Gehalt entscheiden müssen, sonst würden wir jetzt nicht über die Runden kommen. Ich habe dann lediglich die ersten zwei Monate nach der Geburt parallel zu Sina Elternzeit genommen, damit sie die ersten Wochen nicht alles allein stemmen muss. Nach dem ersten Geburtstag werden wir dann beide nochmal für vier Monate in Teilzeit arbeiten, um den Übergang in die Krippe gut zu bewältigen. In ein paar Jahren, wenn unsere Tochter dann den Wechsel in die Schule macht, würde ich aber sehr gern nochmal für eine gewisse Zeit Elternzeit nehmen. Das sollte dann finanziell drin sein und ich fänd‘ es schön, sie bei diesem Übergang enger begleiten zu können.“
„Sie soll so viel Zeit zuhause haben, wie möglich.“
Elternzeit: Beide 12 Monate.
Cleo, 28 Jahre, und Umut, 29 Jahre. Als Umut und Cleo ihr erstes Kind erwarten, so sagen beide, haben sie anfangs nur gestritten. Sie hätten sich zwar unheimlich gefreut, aber plötzlich sind gerade bei Cleo sehr viele Ängste aufgetaucht. Cleo arbeitet selbst als Erzieherin in einem Kindergarten und sieht täglich, wie schwer sich gerade die Kleinsten bei der Eingewöhnung in ein neues Umfeld tun.
„Natürlich, das hätte bei uns ganz anders sein können, aber mir war von Anfang an klar, mein Kind soll erst in eine Fremdbetreuung, wenn es zumindest ein bisschen sprechen und sich mitteilen kann!“. Umut hingegen kennt es von seinen Eltern, dass beide relativ schnell wieder arbeiten gehen. „Als wir uns dann für die Paarberatung entschieden haben, und endlich einen Raum hatten über unsere Ängste in Ruhe zu sprechen, haben wir ziemlich schnell aufgehört zu streiten und eine Lösung gefunden. Unsere Kleine wird die ersten zwei Jahre zuhause betreut, d.h. ich bleibe im ersten und Umut im zweiten Lebensjahr zuhause. Danach wollen wir beide erstmal in Teilzeit weiterarbeiten und schauen, wie wir uns die Arbeit zuhause aufteilen können. Das finde ich wirklich eine gute Lösung für uns drei.“
8 Fakten zur Elternzeit
- Jedes Elternteil hat bis zum 8. Lebensjahr des Kindes Anspruch auf bis zu drei Jahre Elternzeit, je Kind.
- In der Elternzeit erhält man kein Arbeitsentgelt, jedoch kann man bis zu 14 Monate Basiselterngeld oder bis zu 28 Monate ElterngeldPlus beantragen.
- Es gibt einen Bindungszeitraum für die ersten 24 Lebensmonate des Kindes. D.h. Eltern müssen sich festlegen, wie sie die Elternzeit in den ersten 2 Jahren aufteilen wollen.
- Elternzeit kann aufgeteilt werden, in bis zu drei Abschnitte.
- In der Elternzeit darf man arbeiten, mindestens 15 Stunden, maximal 32 Stunden pro Woche. Das Gehalt reduziert sich entsprechend der reduzierten Stundenzahl.
- In der Elternzeit besteht ein gesonderter Kündigungsschutz.
- Vor der Elternzeit hat man ein Anrecht auf ein Zwischenzeugnis.
- Es besteht kein Anspruch darauf, nach der Elternzeit auf dieselbe Stelle zurückzukehren.
Quellen und weiterführende Informationen finden Sie u.a. beim Familienportal des BMFSFJ. Hier finden Sie auch einen Elterngeldrechner.
* Die Erfahrungsberichte sind fiktiv und basieren auf den täglichen praktischen Erfahrungen aus der Fachberatung.

Dieser Artikel ist in Zusammenarbeit mit awo lifebalance Weser-Ems erschienen.
Wenn Sie sich individuell zur Vereinbarkeit von Familie und Karriere beraten lassen möchten, können Sie sich jederzeit vertraulich an unsere Expert*innen wenden:
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