Förder- und alternative Schulformen
In diese Rubrik fallen die unterschiedlichsten Schulvarianten: Schulen für Kinder, die (vorübergehende) Lernprobleme haben, für Hochbegabte, denen der übliche Schulbetrieb nicht gerecht wird, oder für Kinder mit körperlichen oder geistigen Behinderungen, deren speziellen Bedürfnissen Rechnung getragen wird. Einige dieser Schulen sind als Internat konzipiert, um zum einen den Kindern eine besonders intensive Förderung zukommen zu lassen und zum anderen eine umfassendere Unterstützung der Eltern zu gewährleisten.
Alternative Schulkonzepte
Neben dem grundlegenden Schulsystem existieren in Deutschland eine ganze Reihe von alternativen Schulformen, die auf reformpädagogischen Konzepten aufbauen. Diese Schulen sind teilweise in öffentlicher Trägerschaft (beispielsweise viele Montessori-Grundschulen), werden jedoch größtenteils von privaten Trägern betrieben. Strebt Ihr Kind nach dem Schulabschluss eine Ausbildung oder gar ein Studium in Deutschland an, gilt es, genau zu hinterfragen, welche Möglichkeiten der jeweils angebotene Schulabschluss Ihrem Kind eröffnet. Eine weitere wichtige Frage ist, ob es sich bei dem Schulabschluss um interne oder externe Abschlussprüfungen handelt. Die alternativen Schulformen sind meist insgesamt auf ein freieres und offeneres Lernen ausgelegt als die der staatlichen Schulen. Sie legen in der Regel besonders viel Wert auf die Förderung der Kreativität und Selbstbestimmung der Schülerinnen und Schüler.
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Montessori-Schulen
Wichtigster Leitsatz der Montessori-Pädagogik ab dem Kleinkindalter ist: „Hilf mir, es selbst zu tun.“ Lehrer und Erzieher erkennen durch Beobachtung des Kindes, wie sie seinen Lernprozess, sein eigenständiges Denken und Handeln, am besten fördern können. Hierzu setzt die Montessori-Pädagogik schwerpunktmäßig auf altersübergreifende Freiarbeit. Im zweiten Teil des Unterrichtstages findet gebundener Unterricht mit Gleichaltrigen in bestimmten Fächern statt, um einen späteren Wechsel an eine Regelschule zu ermöglichen. Hier gibt es Leistungskontrollen mit Informationen über das Erreichte und etwa ab der 4. Klasse auch Noten. Häufig ersetzt bis zur 8. Klasse ein ausführlicher Lernentwicklungsbericht das Zeugnis. Es gibt nur wenige Montessori-Gymnasien oder gymnasiale Oberstufen, daher kann das Abitur bundesweit nur an sehr wenigen Montessori-Schulen abgelegt werden. Viele Montessori-Schulen sind integrative Schulen. An Montessori-Schulen in privater Hand wird Schulgeld erhoben, an solchen in städtischer Trägerschaft nicht.
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Waldorfschulen oder Rudolf-Steiner-Schulen
Rudolf Steiner entwickelte das pädagogische Konzept der Waldorfschulen auf der Grundlage der Anthroposophie (Lehre vom Menschen). In Deutschland gibt es rund 200 Waldorfschulen, die staatlich anerkannte Ersatzschulen sind und daher den Bereich der Primarstufe und der Sekundarstufe I abdecken können. Anders als in den staatlichen Schulen ersetzen hier charakterliche Beurteilungen die Zeugnisse. „Sitzenbleiben“ ist nicht möglich. Ein Klassenlehrer übernimmt in den ersten acht Jahren den Unterricht in Form eines Epochenunterrichts, ausgerichtet nach Bedürfnissen und Fähigkeiten der Schüler. Übungsintensive Inhalte wie Fremdsprachen werden als Fachunterricht gelehrt. Alle Schulabschlüsse, die an staatlichen Schulen möglich sind, können auch an den Waldorfschulen erreicht werden. In einer freiwilligen 13. Klasse werden die klassischen Abiturfächer für die allgemeine Hochschulreife vertieft. Die öffentlichen Gelder auf Grundlage des Ersatzschulfinanzierungsgesetzes decken lediglich einen Teil der Schulbetriebskosten ab. Das Schulgeld an Waldorfschulen ist entsprechend dem Einkommen der Eltern gestaffelt und wird in jedem Fall individuell mit der Schulleitung ausgehandelt.
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Jenaplan-Schulen nach Peter Petersen
In Deutschland gibt es rund 25 Jenaplan-Grundschulen. Das pädagogische Konzept geht auf Peter Petersen zurück. Kerngedanken der Jenaplan-Pädagogik sind selbsttätiges Arbeiten, gemeinschaftliches Zusammenarbeiten und -leben sowie Mitverantwortung der Schüler- und Elternschaft.
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Mehlhornschulen
Mehlhornschulen sind sogenannte BIP-Kreativitätsschulen („BIP“ steht dabei für Begabung, Intelligenz, Persönlichkeit). Das pädagogische Konzept wurde von dem Pädagogen-Ehepaar Gerlinde und Hans-Georg Mehlhorn entwickelt. In Deutschland gibt es neben einigen Grundschulen auch zwei Gymnasien in privater Trägerschaft, die dieses pädagogische Konzept als staatlich anerkannte Ersatzschulen umsetzen.
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Laborschulen
Laborschulen zeichnen sich dadurch aus, dass sie pädagogischen Hochschulen angegliedert sind und ihr Schulbetrieb der pädagogischen Forschung und Ausbildung dient. In Staaten mit streng geregelter staatlicher Schulaufsicht benötigen Laborschulen unter Umständen gesetzliche Ausnahmeregelungen. Der Betrieb der Laborschule Bielefeld ist in seiner aktuellen Form beispielsweise nur durch ein eigenes Landesgesetz des Landes Nordrhein-Westfalen möglich.
Sudbury-Schulen
Als sogenannte demokratische Schulen folgen Sudbury-Schulen dem pädagogischen Konzept der Sudbury Valley School in Framingham (USA). An Sudbury-Schulen geht man davon aus, dass Kinder und Jugendliche am effektivsten lernen, wenn sie über ihr Lernen vollständig selbst bestimmen können. Sie organisieren ihre Kurse dort nach eigenen Vorlieben selbst – von der Reservierung eines Raumes bis zur ggf. notwendigen Einstellung einer Honorarkraft. Entscheidungen, die die ganze Schule betreffen, werden demokratisch durch eine wöchentlich tagende Schulversammlung getroffen und in einem Regelbuch festgehalten. Schüler und Mitarbeiter sind bei den Entscheidungen gleichberechtigt. Einen Schulabschluss zu erlangen ist nicht das Ziel dieses Schultyps. Aktuell ist es lediglich den Schülerinnen und Schülern der Leipziger Sudbury-Schule möglich, an einer benachbarten Realschule als externe Prüflinge eine staatlich anerkannte Abschlussprüfung abzulegen.
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