Au Pair: Kinderbetreuung im eigenen Heim

Au Pair: Kinderbetreuung im eigenen Heim

Wer kennt das nicht? Das Kind ist abends plötzlich fiebrig und am nächsten Tag eigentlich wieder fit, aber eben nicht Kita-tauglich… Die Arbeitszeiten gehen über die Betreuungszeiten der Kita oder Tagesmutter hinaus und man schafft es nicht, das Kind abzuholen…In den Ferienzeiten fehlen Urlaubstage, um die gesamte Schließzeit der Betreuungseinrichtung aufzufangen…

Wäre es nicht toll, eine Betreuung im eigenen Haus zu haben, die ihre Arbeitszeiten flexibel auf die veränderlichen Bedürfnisse im Familienalltag anpasst?

Frau Meier hatte nach ihrer ersten Elternzeit öfter kurzfristig der Arbeit fernbleiben müssen, wenn ihr kleiner Sohn Moritz kränkelte oder die Tagesmutter ausfiel. Die liegen gebliebene Arbeit versuchte sie jedes Mal bestmöglich aufzuarbeiten, aber die festen Betreuungszeiten ihrer Tagesmutter ließen ihr dabei wenig Spielraum. Zudem hatte Frau Meier sich vor einiger Zeit für eine Ausweitung der Arbeitszeit entschieden und merkt immer häufiger, dass es ihr helfen würde, wenn jemand Moritz regelmäßig von der Tagesmutter abholt und ihn betreut bis sie nach Hause kommt.

Als Frau Meier zudem ihr zweites Kind erwartete, machte sich die Familie viele Gedanken über alternative Betreuungsformen.

Die Familie wünschte sich eine möglichst familiennahe und flexible Betreuungsperson, die ihre Tochter Maya, und manchmal auch beide Kinder, zu Hause betreuen könnte. Freunde brachten die Meiers schließlich auf die Idee, ein Au Pair-Mädchen aufzunehmen.

Au Pairs leben im Familienhaushalt und übernehmen Aufgaben in der Kinderbetreuung und zu einem geringeren Teil auch im Haushalt. Die jungen Leute sind zwischen 18 und 30 Jahren alt, stammen aus unterschiedlichen Ländern und Kulturkreisen und haben bereits in ihrer Heimat in der Betreuung von Kindern Erfahrungen gesammelt.

Im oft so wechselhaften Alltag sind Au Pairs eine wirkliche Entlastung für Familien. Aber das Zusammenleben mit einer anfangs fremden Person bedeutet auch, sich auf Veränderungen einzustellen, eine andere Kultur in sein Leben zu lassen, und einen Menschen als Familienmitglied auf Zeit zu akzeptieren. Au Pairs kommen nach Deutschland, um unsere Kultur kennen zu lernen, ihre Deutschkenntnisse zu verbessern und wichtige Lebenserfahrungen zu sammeln. Sie wünschen sich, dass die Gastfamilie sie dabei unterstützt und ihnen Sicherheit und Geborgenheit gibt.

Der Arbeitsumfang eines Au Pairs darf 30 Stunden/ Woche nicht überschreiten. Sie sind vorrangig in der Kinderbetreuung tätig und übernehmen auch leichte Aufgaben im Haushalt. Als Gegenleistungen bietet die Gastfamilie dem Au Pair ein eigenes Zimmer, Verpflegung, ein Taschengeld in Höhe von 260 Euro/ Monat, einen Zuschuss zu Sprachkurskosten in Höhe von 50 Euro/ Monat sowie Übernahme der Fahrtkosten zum Sprachkurs, eine umfassende Au Pair-Versicherung (ca. 40 Euro/ Monat) und Anschluss ans Familienleben.

Familie Meier nahm sich zwei Wochen Zeit, um sich die Vor- und Nachteile der Aufnahme eines Au Pairs bewusst zu machen. Letztlich überwogen die Vorteile stark. Allerdings waren sich die Meiers auch der Risiken bewusst, die mit der Aufnahme eines Au Pairs einhergehen. Daher war klar, dass sie eine erfahrene Au Pair-Agentur einschalten würden. Eine gute Agentur bietet individuelle Unterstützung bei der Auswahl einer geeigneten Au Pair-Bewerberin sowie in den notwendigen Schritten zum Erhalt des Au Pair-Visums und anderen Formalitäten. Zudem bietet sie fortlaufende Betreuung während des Au Pair-Jahres und ist bei eventuell auftretenden Problemen mit Rat und Tat zur Stelle. Insbesondere ist es wichtig, dass sich die Agentur, sollte sich das Zusammenleben doch als zu schwierig erweisen, um die Vermittlung des Au Pairs an eine andere Gastfamilie kümmern würde, und falls gewünscht auch ein neues Au Pair für die Familie suchen würde.

Es dauerte knapp 4 Wochen, bis die Familie ein passendes Au Pair gefunden hatte. Rinah erfüllte die wichtigsten Voraussetzungen (ausreichend Deutschkenntnisse, Erfahrungen mit Kleinkindern, ein nettes offenes Wesen) und das Bauchgefühl stimmte. Also wurde der Visumsprozess angestoßen und nach weiteren 2 Monaten stand die Familie Rinah am Flughafen zum ersten Mal gegenüber.

Die ersten Wochen fand Frau Meier durchaus gewöhnungsbedürftig, denn sie musste Rinah alles erklären: den Tagesablauf, den Weg zum Kindergarten, die elektrischen Geräte im Haushalt, dass sie das Haus bei Verlassen immer abschließen muss... Rinah gab sich Mühe, und so wurden sie und ihre Gastmutter ein eingespieltes Team. Frau Meier sagt heute, dass sich die investierte Mühe in den ersten Wochen rasch ausgezahlt hat.

Heute ist Rinah wie eine ältere Tochter für die Familie Meier: Sie besucht regelmäßig einen Deutschkurs, hat Freunde gefunden und sich in der Nachbarschaft integriert. Sie bietet der Familie verlässliche Unterstützung im manchmal turbulenten Alltag und ist da, wenn sie gebraucht wird.

Maya und Moritz sitzen quietschvergnügt auf dem Teppich und bauen einen riesigen Turm aus Holzklötzen, dazwischen grüne Papierkügelchen, Holzstöckchen, Tannenzapfen und alle Tierfiguren, die die beiden in ihrer großen Spielzeugkiste finden konnten: „Mama, guck mal, das ist Madagaskar!“ ruft Moritz. Rinah hat ihm heute von ihrer Heimat erzählt, und die Kinder geben ihr neu gewonnenes Wissen gleich an Frau Meier weiter. „Da gibt es ganz viele Tiere… und ganz wilde, so wie im Zoo!!“

Frau Meier lacht und legt erst einmal ihre Aktentasche beiseite, bevor sie sich zu den Dreien hockt und sich alles ganz genau erzählen lässt.

 

Anne Baldsiefen, MultiKultur e.K. International Exchange Programs, April 2015