"Wenn am Ende des Einkommens noch zuviel vom Monat übrig ist"

Natalie Lujan, Schuldnerhilfe Köln e.V.

Schuldenprobleme haben nicht nur Staaten, sondern mehr denn je auch viele Privathaushalte. In Deutschland befinden sich 3 Mio. Haushalte in Zahlungsschwierigkeiten. In jedem zweiten Fall sind Kinder von den Auswirkungen betroffen. Sie leiden erfahrungsgemäß unter den Schulden ihrer Eltern sozial und psychisch am meisten. Was für andere selbstverständlich ist, z. B. mit dem Nachwuchs Ausflüge zu machen, mal ins Restaurant zu gehen oder in Urlaub zu fahren, davon können überschuldete Familien nur träumen.

Wie entsteht Überschuldung?

Statistisch gesehen sind Arbeitslosigkeit, Krankheit oder Trennung die häufigsten Auslöser für eine Überschuldung. In diesen Fällen können Einkommenseinbußen sehr leicht dazu führen, dass Zahlungsverpflichtungen aus Ratenkäufen, Leasinggeschäften und/oder sonstigen Kreditverträgen, die zuvor noch problemlos bedient werden konnten, nicht mehr zu bewältigen sind. Es ist also meistens nicht so, wie oft vermutet wird, dass überschuldete Menschen über ihren Verhältnissen gelebt haben, etwa um sich Luxus zu finanzieren. Auch wenn die Schuldenspirale aus eigener Kraft nicht mehr zu stoppen ist, neigen viele Betroffene aus Scham dazu, ihre Schuldenprobleme vor Verwandten, Nachbarn und Kollegen zu verbergen und den Kopf in den Sand zu stecken.

Wirklich helfen kann in solchen Situationen häufig nur noch eine Schuldnerberatung.

Was leistet Schuldnerberatung?

Die Entscheidung, sich fachlichen Rat von außen zu holen, ist der entscheidende erste Schritt, um die Schuldensituation anzugehen. In der Schuldnerberatung wird zunächst eine finanzielle Bestandsaufnahme vorgenommen. Anschließend setzt sich der/die Berater/in mit den Gläubigern in Verbindung, um die Schulden durch die Vereinbarung zum Beispiel von Ratenzahlungen oder Zahlungsvergleichen zu regulieren. Wenn die beteiligten Gläubiger trotz Zahlungsunfähigkeit der Schuldner zu keinerlei Zugeständnissen bereit sind, dann bleibt allerdings nur noch die Einleitung eines Verbraucherinsolvenzverfahrens. Dieses bietet Ratsuchenden die Chance, zumindest nach 6 Jahren schuldenfrei zu sein.

Im Einzelnen kann Schuldnerberatung insbesondere in folgenden Punkten helfen:

• Beratung zur Vermeidung von Schulden

• Überprüfung der Einnahmen- und Ausgabensituation

• Aufzeigen von Einsparmöglichkeiten

• Informationen zur Vermeidung von Wohnungsverlust und Energiesperre

• Erstellung und Umsetzung eines Regulierungsplans zur Schuldentilgung

• Unterstützung beim Einleiten eines Verbraucherinsolvenzverfahrens

Je früher eine Beratungsstelle aufgesucht wird, desto besser kann geholfen werden. „Wegzaubern“ kann Schuldnerberatung die Schulden allerdings nicht, d.h. dass bei den Ratsuchenden Geduld gefragt ist. Vor allem aber kann Schuldnerberatung immer nur dann helfen, wenn die Betroffenen aktiv und verlässlich mitwirken. Wenn das der Fall ist, gibt es immer eine Lösung.

Wo findet man Hilfe?

Informationen über die örtlichen Schuldnerberatungsstellen erhält man bei allen Verbraucherzentralen, bei Städten und Gemeinden sowie beim Amtsgericht. Außerdem kann man sich bei der Hotline des Ministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend unter 0180-1907050 (3,9 Cent/Minute aus dem dt. Festnetz) erkundigen.

In der Regel ist Schuldnerberatung kostenlos. Empfehlenswert sind gemeinnützige Beratungsstellen der Wohlfahrtsverbände, der Verbraucherzentralen und der Kommunen. Des Weiteren ist eine Beratung beim Rechtsanwalt möglich, die allerdings gebührenpflichtig ist.

awo lifebalance bietet in enger Kooperation mit dem gemeinnützigen Verein Schuldnerhilfe Köln e.V. für Vertragspartner eine Schuldnerberatung an.

Quelle: Schuldnerhilfe Köln e.V.